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Bedeutungslose Fotografie

Dieses Foto wurde für die Initiative „Du bist am Zug“ eingereicht, letztlich aber nicht für die Ausstellung ausgewählt. Natürlich war ich zunächst enttäuscht. Wer fotografiert, freut sich schließlich über die Möglichkeit, die eigenen Bilder öffentlich zu zeigen. Als ich später gefragt wurde, ob ich trotzdem etwas über meine Motivation und die Idee hinter dem Bild schreiben möchte, stand ich allerdings vor einem unerwarteten Problem:

Es gab eigentlich keine.

Das Foto ist mehr oder weniger ein spontanes Selbstporträt. Kein lang geplantes Konzept, keine gesellschaftliche Aussage, keine versteckte Botschaft.

Gerade die Enttäuschung über die Absage brachte mich dazu, über diese Art von Fotografie nachzudenken. Warum hatte ich das Bild überhaupt eingereicht? Ich habe doch auch Bilder mit Bedeutung. Und warum fiel es mir so schwer, diesem Bild im Nachhinein eine tiefere Bedeutung zuzuschreiben?

Vielleicht, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass Kunst und Fotografie immer etwas „sagen“ müssen. Alles soll eine Geschichte erzählen, eine Haltung transportieren oder einen Diskurs eröffnen. Doch viele meiner Fotografien entstehen ganz anders. Sie sind nicht die Illustration einer Idee, sondern die Reaktion auf einen Moment. Auf eine Farbe, eine Form, eine Spiegelung oder ein Gefühl. Wohl irgendwie bedeutungslos und gedankenlos?

Mir wurde bewusst, dass ich erstaunlich viele solcher Bilder mache – Fotografien, die nichts beweisen wollen und keine Botschaft transportieren. Bilder, die einfach deshalb existieren, weil mir etwas für einen Augenblick schön, interessant oder bemerkenswert erschien.

Vielleicht ist es doch keine bedeutungslose Fotografie. Vielleicht liegt ihre Bedeutung gerade darin, dass sie keinem Zweck dienen muss. Dass sie nicht erklärt werden will. Dass sie einfach nur gesehen werden möchte.

Nachdem die erste Enttäuschung verflogen war, konnte ich mich wieder daran erinnern, warum ich überhaupt fotografiere: nicht, um jedem Bild einen Sinn zu geben oder Gedanken visuell zu speichern, sondern weil ich Freude daran habe, die Schönes wahrzunehmen, das sonst vll. unbemerkt vorübergehen würde.